AM ANFANG WAR DER DURST
Und so geschah es 1994 a.d., daß ein Organista auszog sich eine neue Bleibe in Bottrop-Eigen zu suchen. Begleitet wurde er von neun Weisen, die ihm bei der Einrichtung seines Stalles zur Hand gingen. Zusammengekauert bei Kerzenschein schwärmten die zehn Apostel davon, wie schön es wäre, doch öfter dem Sport, der Geselligkeit und dem Alkoholkonsum zu frönen. Gedacht, getan: über dem Stall erleuchtete ein heller Stern, Freudenschreie erfüllten die dunkle Nacht - ein Kegelclub war aus der Taufe gehoben. Ein Name musste her. Er musste aussagekräftig sein; musste prägnant sein.
HALBWERTZEIT: DREI MONATE
Im Laufe der ersten Wochen entpuppten sich fünf der zehn Gründungsmitglieder als gar nicht so weise und ziemlich unzuverlässig, so daß nach kurzer Zeit nur noch fünf Freunde die Geschicke des 1.KC in Händen hielten. Doch das Feuer loderte - und der Funke erfaßte schnell neue Jünger. Allvierwöchentlich traf man sich in der Herberge zu den "Alten Stuben", Gelächter und Gezeter erschütterten das altehrwürdige Gebäude in seinen Grundmauern, innerhalb kurzer Zeit hatte der 1.KC BIERNOT wieder seine Sollstärke von zehn Mitgliedern erreicht.
UND HOLT DIE HÜHNER NACH UND NACH...
Schon bald waren den Auserwählten die dunklen Gemächer der "Alten Stuben" zu eng. Sie wollten ihre Kunde in die weite Welt hinaustragen, sie wollten Ungläubige mit ihrem Gedanken infizieren, sie wollten mal endlich ein ganzes Wochenende durchsaufen! Eine Pilgerfahrt mußte her, das malerische Sauerland sollte das Ziel sein. So charterte die "Gruppe Spuler" einen Sonderzug, der sie in den großen Schatten des "Sauerlandsternes" transportierte. Hier fand die Sekte idealen Nährboden für die Saat ihrer Gedanken: Gnadenlos wurden Bauern unter den Tisch gesoffen, Landmädchen angepöbelt, Suppe mit Bockwurst aus Bierhumpen gefressen. Nach einem wenig ernüchternden Ausflug in den Stern zog es die Bildungsreisenden zum Schützenfest in Brilon, eine Institution, fast so alt wie das Sauerland selbst. Bruder Onanista machte sich gleich ans Bekehren, das Infizieren ausländischer Mitbürger mit dem Biernot-Gedanken entpuppte sich dagegen als wenig fruchtbar ("Du nennst mich nicht noch einmal Chure!"). Ein gelungener erster Tag. Damit nicht genug: Am zweiten Tag zog es die Jünger hinauf auf den Berg vor den Toren Willingens, zu predigen, zu saufen und zu kiffen.Von soviel Aktionismus übermannt, zog sich Bruder Dipl-Ing. schon früh mittags zum stundenlangen Gebet mit dem Gesicht im Dreck zurück, Bruder Mengele folgte ihm schon kurze Zeit später im Sturzflug auf den Asphalt. Und während Heiko Herrlich Borussia Mönchengladbach zum Pokalsieg schoß, verschwamm der Rest des ersten Tages in Rauchschwaden und Sperma. Alle waren sich einig: Die erste Pilgerfahrt war gelungen, Bruder Prader Willy war vom heiligen Geist gar so besessen, daß er Marienerscheinungen und ein ganzes Zugabteil für sich hatte. Er brach Brot und verteilte es in der 40-l-Mülltüte, von der er kaum zu trennen war. Ein anderer Kegelbruder wäre wohl gern von dem daheim wartenden Gecko getrennt geblieben.
BIG BROTHERS GO HOLLAND
Zur Vertiefung des Gruppengedankens ging die zweite Pilgerfahrt nicht in die weite Welt hinaus, sondern in eine kleine Kaschemme im angrenzenden Holland. 48 Stunden schlossen sich die Jünger zum kollektiven Beisammensein in der Kate ein, verließen diese nur zur rituellen Waschung im Center-Parcs-Schwimmbad und zum Hinabstürzen des heiligen Center-Parcs-Ski-Berges. Ernährt wurde sich ausschließlich von 160 Litern Gerstensaft, dem in rituellen Klatschspielen in wenigen Stunden der Garaus gemacht wurde. Dies ging natürlich nicht ohne Verwundete vonstatten: Bruder Prader Willy überbrachte den äußerst gewaltbereiten Nachbarn eine vollmundige Grußbotschaft, deren Spuren an der Terrassentür er am nächsten Morgen nach eindringlicher Aufforderung ("Wer vonne euche hatte gespukket?") entfernen mußte. Bruder Wittwer hätte wohl den Rest seines kurzen Scheiß-Kegeltour-Lebens in unerträglichen Schmerzen verbracht, wenn nicht der 1.KC BIERNOT-Samba-Express durch sein Zimmer gerollt wäre. Fast wäre der schon zu Genüge erwähnte Bruder P.W. in religiösem Wahn einen elenden Hungertod gestorben, doch der medicus diabolis in persona Dr. Mengele zwang ihn zur Nahrungsaufnahme ("Herr Sycszyczz?ycszßiukoke, Sie müssen essen!!"). Zur Schande sei gestanden: Die Rückführung erfolgte entgegen aller Schwüre mittels mehrerer, von Teufelshand gesteuerter Vehikel - was nicht billig war (s.u.).
SITZEN, SAUFEN, SCHWITZEN
Wieder trieb das Fernweh den ganzen 1.KC in die weite Welt...den ganzen 1.KC? Nein! Zwei subversive Objekte versuchten die Pilgerfahrt zu boykottieren, indem sie schon vor Antritt in himmlische Sphären schossen. Doch die Brüder holten sie auf Erden zurück und stopften sie in den Zug nach Norderney, wo Bruder Mongo alsbald sein Bewußtsein, Bruder Voller seine Hosen verlor. Für 90 Mark prostituierte er sich auf dem Hammer Bahnhof und machte dabei noch Bruder Dutroux‘ heilige Batman-Brille weg. Die Unterkunft erwies sich als luxuriös aber klein: Bruder Mengele mußte sich bei offener Tür erleichtern, während Bruder Scharfes S seinen Darm nur mit Hilfe einer Tütensuppe entleeren konnte. Außerhalb der Trutzburg erfreuten sich die Brüder am Inselflair, genossen die frische Meeresluft, Norderneyer Gift aus dem Klimperkasten und Pilsener im Überfluß. Der untergemengte Methyl-Alkohol ließ die Brüder Onanista und Ochsenschwanz erblinden und trieb selbige in die Nekrophilie. Zum Glück ist mit den zwei Damen fortgeschrittenen Alters "nichts passiert". Unterdessen schwitzten sich die übrigen Brüder im "König" den Arsch ab und bekehrten den Inhaber, indem sie seine Wodka-Vorräte plätteten.
Am nächsten Morgen ging der 1.KC neue Wege: per Rad erkundete man das Eiland, bis Bruder Dipl-Ing. aus katholischer Überzeugung seinen Pillemann nicht am FKK-Strand zeigen wollte. Der folgende Abend: s.o.
Zu bemerken sei zum Abschluß, daß Bruder P.W. nach zwei Tagen der innigen Einkehr zum ersten mal das Tyson-Syndrom zeigte und seinen geschwollenen Körper am Frühstückstisch so präsentierte, daß die Hühner vehement und mit geballten Flügeln das Frühstücksei zurückforderten.
DIE BANGKOK-MASCHINE
In die Jahre gekommen, musste auch der 1.KC Biernot dem technischen Fortschritt Tribut zollen. Zieleinläufe bei olympischen Hundert-Meter-Wettkämpfen wurden schon seit Dekaden per Zielfoto entschieden, während das allkegelabendliche Wettexen noch immer mit blossem Augenlicht entschieden werden sollte. Einer wüsten Keilerei nach einer Millimeterentscheidung folgte Bruder Onanistas Geniestreich, realisiert für kaum mehr als 150 Mark: Die Bangkok-Maschine (Bangkok-Regel siehe “Klapperschlange II: Flucht aus L.A.”, erklärt von Snake Plissken)
Ein Meilenstein der Clubgeschichte, geliebt und gefürchtet zugleich, vom Kegelabend nicht mehr wegzudenken (VIDEO)
MÜNSTER MONSTER MASTERSHIP
Lächerlich! Einfach lächerlich, dass tatsächlich ein Geflecht von subversiven Elementen den Namen KC Biernot für sich beanspruchte. Aus den tiefen des Internets tauchten die Plagianten auf, forderten den wahren, den 1. KC zum Kegel- und Saufduell ins westfälische Münster.
So nahmen sie den Fehdehandschuh auf, trafen auf ein Dutzend seltsamer Konglomerate von Kegelsportlern und stellten fest, dass nur die Namensvetter ihrem Altersdurchschnitt und Anspruch entsprachen. Biernot verpflichtet halt. Auch wenn die (trink-)sportlichen Herausforderungen zu wünschen ließen, feierten zwei Biernotse ein Fest der Verbrüderung, der Trunkenheit und des Kegelsports.
TANZEN SAMBA MITTE MIR , WEIL DIE SAMBA UNSE SO GLÜCKLISCH MACHT
Ohne Moos nix los, ohne Knete keine Fete. Hahaha. Die Kohle-Verplemeperei in sauerländischen Swinger-Clubs und holländischen Wohnwagen anprangernd, entschied sich der 1.KC, die Kegel-Kasse für einige Jahre zu schonen, um dann mal richtig einen drauf zu machen (Thailand, Majorca, Puff in Barcelona o.ä.). Und da der KC Boogie can, und der Onan alles schon erlebt hat, schleifte er den Club in den – Achtung! – “Mosel Tanzpalast” nach Kobern Gondorf. Heißt echt so. Ganz schön brasilianische Athmo im Samba-Zug. Am Set dann nicht so gut, weil Mongo die Posaune, mit überlegtem wie entschlossenem Griff, zum Schweigen brachte. Schon nach wenigen Sekunden war die einheimische Urbevölkerung gegen uns. Die Location selbst war so gut, dass nach dem Essen 60 Prozent des KC im Taxi zum Arsch der Welt fuhren, die übrigen 40 ihren Eigenen nach diversen Whisky-Colas der enthusiastisch tanzenden Landbevölkerung entblößt präsentierten. Mengele tanzte so geil, dass sogar die Jeans schwitzte. Rückfahrt im Zug, ohne Samba, mit Ficken. Und singen.
IN MÜNCHEN STEHT KEIN HERBERGSHAUS; OANS ZWOA G’RITZE
“Also”, sprach der leicht errötete, schwitzende und angetrunkene junge Mann an der Rezeption einer Münchner Jugendherberge, “ich habe per e-mail eine Bestätigung bekommen. Die habe ich leider nicht dabei. Trotzdem will ich sofort elf Betten haben”.
Zwei Stunden zuvor: Exzessiv frönt der KC den Alkoholika, während der Zug gen Oktoberfest braust. Auch fette Mädchen konnten sie davon nicht abhalten und durften sich eines Ständchens erfreuen (Text: M.M. Westernhagen). Gute Laune, bis zur Herberge.
Das Wesen am Empfang schaltete auf Kisuaheli: “Kann nix helfe. Nix bestätigt, gehe weg”. Den Spagat zwischen Verhandlungsführer und Dompteur meisterhaft zelebrierend, zauberte der um sein Leben ringende “Copperfield” Ochsenschwanz im restlos ausgebuchten München elf Betten aus dem verschwitzten Hut. Da ham wir noch mal Glück gehabt. Und dieses setzte sich fort: Der letzte freie Tisch ging im Hacker-Zelt an den KC, der ihn bravourös verteidigte (“There is always a bigger fish”). 15 Maß Tagesrekord sollten bei einem Mitglied des Clubs für schwerwiegende finanzielle Folgen sorgen. Fünf Maß hingegen reichten Mengele nicht, um eine Zenzi per bösem Blick und Stierhals willig zu machen. Sexuelle Befriedigung verschafften das Umherwerfen von Whsikygläsern, das Anschreien von Sendern (Jaaaaaa, du schaffst das!!!!) und der gewonnene “Ol‘ blue eye”-Wettsing-Contest. Andere Brüder erleichterten sich ihres Überdrucks auf subtilere Weise (“Das ist doch jetzt nicht wahr, oder! Der pisst neben mein Bett! Hör domma auf!”). Der dritte im Bunde wird das Geheimnis um “den Ritze” mit ins Grab nehmen (“Hömma, der Ritze...” – “Wat is mim Ritze?” – “Halt die Fresse....(singt)Pillemann, Fotze,.....”(schläft ein)...schnarch...(Pidder ab)) Zum Abschied hinterließ Balthasar Mengele seinen Freunden reichlich Weihrauch und Myrrhe in der Krippe.
P.W. hat erst kurz vor Essen gekotzt.